out.Serie

out. – Die Forumtheater-Serie

Maralam initiierte im Jahre 2003 einen mehrschichtigen Recherchier- und Darstellungs-Prozess zu Migration und ihren vielschichtigen thematischen Ausläufern. Im Rahmen des mehrjährigen Gesamtprogrammes „Reisen ins Herz des Kontinents“, sollten die vielfältigen inhaltlichen und methodischen Erfahrungen, welche sich Maralam über die Jahre im In- und Ausland angeeignet hat fruchtbar weitergeführt werden. Dabei werden verschiedene Darstellungsformen (Performing Arts-Aufführungen, Tryout Text Produktionen, Forumtheater, Medienberichterstattung erarbeitet und realisiert.
Entstanden ist dieses Programm aus einer mehrmonatigen, intensiven vorgängigen Gesamtanalyse des Theaters Maralam durch den renommierten Theaterexperten Jean Grädel (u.a. Leiter des Theaters an der Winkelwiese, Leiter des Theaterhauses Gessnerallee, Verantwortlicher Abteilungsleiter Theater der Stiftung Pro Helvetia). Einer dieser Projekte sollte ein Forumtheater sein, welches konkrete Erfahrungen in zentralen Lebensfeldern von MigrantInnen und Einheimischen aus dem Wirtschafts-, Bildungs, –und Gesundheitsbereich reflektiert.
Forumtheater – für Maralam eine aktuelle nachhaltige Form von genuinem Volkstheater – von offiziellen Institutionen der Hochkultur unverständlicherweise als Nicht-Kunstform und daher nicht forderungswürdig eingestuft – sollte die Lebenswirklichkeiten und Bilder im Kopf der Bevölkerung aufnehmen, sichtbar machen auf lustvolle Art thematisieren. In einer Koproduktion mit dem Forum Theater Zentrum entstanden statt einer geplanten Geschichte gleich vier verschiedene Geschichten.

Vision und Ausgangslage

Maralam ist seit Jahren eine Drehscheibe für die Zusammenarbeit zwischen SchweizerInnen und AusländerInnen. Maralam arbeitet mit den sinnlichen Mitteln der „Performing Arts“ im weitesten Sinne und öffnet den ungewohnten, phantasievollen Blick auf gesellschaftliche Phänomene im Zusammenhang mit Fremden. „Multikulturelle Gesellschaft“, Migration, Integration, Rassismus, Diskriminierung, Menschenrechte sind in den letzten Jahren weltweit zu allseits bekannten und teilweise überstrapazierten Schlagworten geworden.
Das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich dabei um nach wie vor und immer wieder hochaktuelle und brisante Themen handelt, welche die Gemüter quer durch alle Gesellschaftsschichten hindurch bewegen. Die damit verbundene Problematik, die sich in laufend verändernden Situationen manifestiert, verlangt sowohl auf privater wie auf politischer Ebene nach immer wieder neuen, angepassten Lösungsvorschlägen und –wegen.
Es dürfte in der Schweiz mittlerweile allgemein bekannt sein, dass die Gleichung „Multikulturalität“ gleich „Asylanten“ und Wirtschaftsflüchtlingen“ nicht realistisch ist. Aber wie lautet sie denn? Ist sie einfach oder ist sie hoffnungslos kompliziert? Sind wir machtlos einem alles zersetzenden monströsen Virus von Rassismus, Diskriminierung, Ausgrenzung ausgesetzt, oder werden endlich alle Menschen Brüder und Schwestern? Die Verunsicherung ist gross, die Schalmeien der Instantslösungspropheten klingen laut, die Nachfrage nach Orientierungshilfen im privaten und familiären Bereich, im Erziehungswesen, aber auch in der Arbeitswelt und Politik, besteht nach wie vor. Der „Umgang mit dem Fremden“ bedeutet für Maralam einerseits „Umgang mit dem Fremden vor der eigenen Haustür“, bedeutet Kontakt und Auseinandersetzung mit dem Fremden, bedeutet Hinterfragung, Prüfung, Konflikt, bedeutet Umsetzung von kreativen Vorgängen in verschiedenste Formen von Theater, von Medienarbeit, von Workshops, von Beratung und Planung für Institutionen und Ausbildungsstätten. Es ist vorab der interkulturelle Alltag, hautnah erlebt und reflektiert, der uns anregt und zwingt, taugliche Lösungsstrategien auf lokaler Ebene und, soweit es in unserem Einflussbereich liegt, auf globaler Ebene zu entwickeln. Anderseits ist die Auseinandersetzung mit unserer schweizerischen Stellung im Ausland und im wahrsten Sinn des Wortes in der „Welt“ in dieser Zeit des rapiden globalen Wechsels von genau so wichtiger Bedeutung. und ist ein wesentliches Anliegen von Maralam.
Die Stellung von Maralam in der schweizerischen Kulturlandschaft ist die einer Brückenbauerin und Initiantin von grenzüberschreitenden Projekten, die eines „Hybriden“, beeinflusst von vielen kulturellen Strömungen.